Die antike Schnabelkanne vom Dürrnberg – Keltenkunst

KELTENKUNST 3D

Die antike Schnabelkanne vom Dürrnberg und warum sie für Wissenschaftler so interessant ist!

 

Foto: © Dürrnbergforschung, Thorsten Rabsilber

Foto: © Dürrnbergforschung, Thorsten Rabsilber

Die antike Schnabelkanne vom Dürrnberg rückt wieder in das Zentrum der Wissenschaftler. Obwohl die Dürrnberger Schnabelkanne bereits ihren festen Platz in der Ausstellung des Keltenmuseum Hallein und in der europäischen Archäologie der Eisenzeit hat, will man neuen Geheimnissen der Kanne auf die Spur kommen.

Die Dürrnberger Schnabelkanne wurde 1932  am Dürrnberg bei einer Grabung am Nordhang des Mosersteins unterhalb der Hexenwand gefunden und gilt als eines der herausragenden Stücke der frühkeltischen Kunst. Bei Fachleuten ist die Schnabelkanne ein Begriff. Holger Wendling, wissenschaftlicher Leiter am Keltenmuseum Hallein betont die Einzigartigkeit des Fundstückes: „In ganz Europa gibt es nur drei früh keltische Kannen, deren Qualität und Erhaltungszustand dem Vergleich mit dem Dürrnberger Exemplar standhält.“ Die um 400 v. Chr. Hergestellten Bronzegefäße stammen aus einheimisch-keltischen Werkstätten und die Darstellungen auf Rand und Henkel der Kanne beschreiben keltische Formen und Motive. Die Kannenform mit ihrem hohen schlanken Körper, wurde  einschließlich der Schulter und des Hohen Halses aus einem Stück Bronzeblech gearbeitet.  Eine Schweißnaht ist selbst im Röntgenbild nicht erkennbar, was darauf hindeutet, dass sie in erhitztem Zustand sehr sorgfältig durch kräftiges Hämmern „vertrieben“ wurde. Die plastische Verzierung – ein katzenartiges Raubtier auf dem Henkel hat hervorquellende kugelförmige Augen und trägt ein fischgratartiges Ornament auf dem Rücken und es hält ein menschliches Haupt im Maul – der Gefäßwand dürfte über ein Model herausgetrieben worden sein. Diese scharfkantigen Ornamente zeugen von großer Erfahrung und Materialbeherrschung des unbekannten Meisters. Weiteres  geben sie Einblick in die keltische Mythologie und trotzdem ist nicht klar, was die Darstellungen im Einzelnen bedeuten, ob sie eine Geschichte erzählen oder reiner Schmuck sind.

Nun will man mit der High-Tech-Methode die letzten Geheimnisse der Kanne auch noch erforschen. Diese innovative Technik, die bei dermaßen außergewöhnlichen Objekten weltweit bisher selten angewandt wurde, dient darüber hinaus der Datensicherung und dem Schutz des kulturellen Erbes. 

Foto: © Dürrnbergforschung, Thorsten Rabsilber

Foto: © Dürrnbergforschung, Thorsten Rabsilber

Seit Jahrzehnten ist die Forschung der Bedeutung und Funktion der Kanne bereits auf der Spur, jedoch hat das 2500 Jahre alte Schmuckstück also auch bis jetzt noch nicht all seine Geheimnisse preisgegeben. Um einigen Rätseln auf die Spur zu kommen, setzt die Dürrnbergforschung diese High-Tech-Methode ein und in einem Gemeinschaftsprojekt mit dem Essener Archäologen und Fotografen Thorsten Rabsilber wird nun das Gefäß genauer unter die Lupe  genommen. Mit dieser High-Tech-Methode wird die Kanne hundertfach fotografiert. Die Bilder werden am Computer durch Korrelation von Farbmustern in komplexen Algorithmen miteinander verknüpft und zu einem 3D-Modell zusammengefügt. Die hochauflösende Grafik, die im sogenannten Structure from Motion-Verfahren erstellt wird, lässt kleinste Details der Oberfläche und der Verzierung erkennen. So will man kleine Plastiken und den Kannenboden sichtbar machen.  Lt. Aussage von Thorsten Rabsilber kann man hier in nie dagewesener Weise Herstellungsspuren erkennen oder antike Beschädigungen identifizieren. Diese Analysen geben Aufschluss über den Gebrauch der Kanne und die Mühe, die sich die keltischen Handwerker gaben, um ein solch prächtiges und repräsentatives Objekt herzustellen.

Neben der wissenschaftlichen Neubewertung der Schnabelkanne – wird die Kanne auch bei der archäologischen Fachtagung  – Interpretierte Eisenzeiten VII – Interpreted Iron Ages VII Fallstudien, Methoden, Theorie 7. Linzer Gespräche zur interpretativen Eisenzeitarchäologie Oberösterreichisches Landesmuseum in Kooperation mit der Bangor University, Wales, UK 17.-19. November 2016 im Schlossmuseum Linz – vorgestellt.

Diese 3D-Dokumentation bietet ungeahnte Perspektiven der musealen Präsentation. Weiteres soll an Touchscreens die BesucherInnen des Keltenmuseum Hallein die Kanne bald wie unter dem Mikroskop betrachten und auch einen virtuellen Blick auf ihren Boden werfen können. Die Detailansicht der kleinen Plastiken, die das Gefäß schmücken, lassen die Qualität des Kunstwerks und das Können der urgeschichtlichen Menschen umso eindrucksvoller erscheinen.

www.keltenmuseum.at

www.salzburgmuseum.at