GOTTFRIED BECHTOLD – zu sehen im LENTOS Linz

Das LENTOS widmet dem herausragenden Künstler Gottfried Bechtold eine große Personale, in der sämtliche Aspekte seines jahrzehntelangen Schaffens vorgestellt werden. Die Ausstellung ist noch bis zum 26. Februar 2017 im LENTOS Kunstmuseum Linz zu sehen.

Video © LENTOS

Bei meinem letzten Besuch in Linz vergangene Woche, besuchte ich auch das LENTOS Museum. Als ich die Gottfried Bechtold Ausstellung sah, war ich sehr überrascht. Warum war ich überrascht, ich hatte im Dezember 2016 die Einladung zur Pressekonferenz erhalten und die Unterlagen hatten mich nicht wirklich von der Ausstellung überzeugt. Ich ignorierte dies und zum heutigen Zeitpunkt muss ich erwähnen, es war ein Fehler.

Betritt man den Raum, wird man gleich ein Teil dieser Ausstellung, sie nimmt dich mit auf die Reise.

Wer ist Gottfried Bechtold und was will er mit seinen Werken dem Besucher mitteilen?

Gottfried Bechtold, ein herausragender  österreichischer Künstler, 1947 in Bregenz geboren, absolvierte in Hallein eine Steinmetzausbildung. Es folgten Aufenthalte in Großbritannien, den USA und Kanada. 1999 erhielt er den internationalen Kunstpreis des Landes Vorarlberg und wurde 2009 mit dem Würdigungspreis für Video- und Medienkunst des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur ausgezeichnet. Neben der Bildhauerei, in welcher er sich stetig mit der Erweiterung des Skulptur-Begriffs auseinandersetzt, sind Bechtolds Werke auch im Bereich der Konzeptkunst, Land Art und des Minimalismus angesiedelt. Film, Fotografie und Video spielen ebenso eine wichtige Rolle in seinem OEuvre. Bechtold lebt und arbeitet in Hörbranz und Bregenz.

Wenn man die Biografie von Bechtold liest, dann merkt man schon, es ist ein vielseitiger Künstler der sich auch mit verschiedenen Kunstrichtungen auseinandersetzt und trotzdem bleibt er in einer gewissen Weise der Bildhauerei treu. Sein Werk steht für eine Erweiterung des Kunstbegriffs, anknüpfend an die Radikalität Marcel Duchamps, an Land Art, Minimalismus und prozesshafte Kunst. Bechtold hat ein vielfältiges Werk geschaffen wo Experiment und künstlerische Freiheit ihm sehr wichtig waren. Sein großes Interesse liegt im Transfer der Realität in Medien, physikalische Phänomene, das Thema Mobilität, der Mythos Auto und die Idee von Zeit und Bewegung. Weiteres spielt der Künstler mit den Gegensätzen zwischen Be- und Entschleunigung. Seine Betonporsches symbolisieren schlechthin die Geschwindigkeit und ein gecrashter Porsche wiederum  die perfekte Form des Stillstands.

Besonders in Auge gestochen ist mir die „Lichtinstallation BTV“, eine Arbeit aus dem Jahr 1982. Diese dreiteilige Installation besteht aus einer Skulptur eines hockenden Jungen. Bei dieser Skulptur handelt es sich um Bechtolds Sohn, der ein Bronzeabguss ist. Dieser Knabe schaut auf seine Hände, durch die soeben Streichhölzer zu Boden gefallen sind. Die Streichhölzer die am Boden liegen, haben die gleiche Anordnung wie die Leuchtstoffröhren an der Decke, die sich wiederum im Boden spiegeln.

„Lichtinstallation BTV“ Foto: © Reinhard Haider,

„Lichtinstallation BTV“ Foto: © Reinhard Haider,

Die „Schiene Kofler“ 1978 ist das zentrale Element im großen Saal und verbindet die Objekte der Ausstellung inhaltlich und räumlich miteinander. Sieben Träger wurden längs zu einer einzigen Schiene verschraubt und auf zwei Eisenständern abgelegt. Die Träger sind ihrer Funktion enthoben.

„Schiene Kofler“ Foto: © Reinhard Haider,

„Schiene Kofler“ Foto: © Reinhard Haider,

Dann wäre hier noch das Objekt „Jochen Rindt“, 2005, hier sieht es aus, als ein in schwarzer Farbe getauchter Porsche  in ein Rhönrad (ein rollendes Sportgerät zum Turnen) gesteckt würde, so könnte eine erste Assoziation zu dieser Skulptur lauten. Jedoch dieser ehemalige Porsche fährt nicht mehr auf seinen Reifen, sondern kann in einem extra dafür angefertigtem Gerüst um seine Längsachse rollen. Es ist kein echter Porsche, sondern nur noch eine Hülle, die ursprünglich dem Guss eines von Bechtolds Betonporsches gedient hatte. Dieses Werk wurde Jochen Rindt (Formel-1-Pilot)  gewidmet. 1970 ist Jochen Rindt beim Abschlusstraining für den großen Preis von Monza verunglückt.

„Ready Maids“ ist ebenfalls eine Arbeit, wo man automatisch stehen bleibt und sich über die Arbeit Gedanken macht. Die „Ready Maids“ bestehen aus gefundenen natürlich gewachsenen Astgabeln, deren Oberfläche Bechtold behandelt hat. Der künstlerische Anteil beschränkt sich auf die sorgfältige Auswahl und Behandlung des Holzes. Die Figuren stehen als archaische Figuren für sich. Sie erinnern formal an Frauen oder Mädchenkörper ohne Kopf, die sich scheinbar schreitend und eilend durch den Raum bewegen.

„Ready Maids“ Foto: © Reinhard Haider

„Ready Maids“ Foto: © Reinhard Haider

Alle Arbeiten die in dieser Ausstellung gezeigt werden sind sehenswert.  Eine Ausstellung die man auf alle Fälle besuchen sollte, leider läuft sie nur noch bis 26. Februar 2017.

 

http://www.lentos.at/html/de/39.aspx