Nevin Aladağ: FÜNF STEINE SPIEL

SALZBURGER KUNSTVEREIN

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Foto: Andrew Phelps, © Salzburger Kunstverein

Der Salzburger Kunstverein lud zur Pressekonferenz zu einer neuen Ausstellung               A Painter’s Doubt

Bei dieser Pressekonferenz waren heute mehr Künstler als Medienvertreter anwesend. Auch dies ist Salzburg. Vorgestellt wurde die Ausstellung A Painter’s Doubt. Diese Ausstellung wirft durch den Blickwinkel zeitgenössischer Maler_innen Fragen der Phänomenologie von heute auf. Der gemeinsame Nenner der Ausstellung sind Wahrnehmungsvorstellungen und die Untersuchung verschiedener Phänomene, die sich im Werk jedes dieser Künstler_innen identifizieren lassen

Eine Künstlerin fiel mir besonders auf, diese Künstlerin ist jedoch nicht an der Ausstellung A Painter’s Doubt beteiligt, sondern sie wurde vom Salzburger Kunstverein eingeladen, die Ringgalerie für ein Jahr zu bespielen. Übrigens die erste weibliche Künstlerin die die Ringgalerie bespielt, bis dato bespielten immer männliche Künstler diesen Raum.

Nevin Aladağ: FÜNF STEINE SPIEL   >  Februar 2017 – 04. Februar 2018  <

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Foto: Andrew Phelps, © Salzburger Kunstverein

Die Künstlerin Nevin Aladağ geb. 1972 in Van, Türkei, lebt und arbeitet in Berlin.  Die deutsche Künstlerin Nevin Aladağ hat türkische Wurzeln und kam 1973 nach Deutschland. Sie wuchs in Stuttgart auf. 2000 schloss Aladağ ihr Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München ab. Sie ist eine zeitgenössische Video-, Installations-, Sound und Performance-Künstlerin.

Nevin Aladağ kommt aus der Bildhauerei und fertigt Gegenstände des täglichen Gebrauchs ebenso wie Situationen und Handlungen des Alltags zum Ausgangspunkt ihrer Arbeiten und beschäftigt sich mit deren kulturellen und politischen Kodierungen, ihrer Herkunft und Geschichte.

Für die Ringgalerie im Salzburger Kunstverein schuf sie eine Installation, die erstmals nicht an den Wänden sondern im Raum hängt. Bei ihrer Installation handelt es sich um Vierundzwanzig große, auf Fahnen gedruckte Fotografien, die zwischen den Säulen in den vier Korridoren der Ringgalerie hängen. Das Werk politisch und unpolitisch zugleich, da es politischen Transparenten oder Werbebannern ähnelt, jedoch wird hier weder politisches noch werbemäßiges präsentiert sondern es handelt sich um eine fotografische Wiedergabe eines Kinderspiels, welches über den Köpfen der Betrachter_innen platziert wurde.

Werkstitel:  FÜNF STEINE SPIEL (beş taş)

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Foto: Andrew Phelps, © Salzburger Kunstverein

Kennen sie das FÜNF STEINE SPIEL? Ich kannte es nicht. „Das fünf Steine Spiel“* ist ein Geschicklichkeitsspiel, das wahrscheinlich aus Zentralasien stammt und mindestens 2000 Jahre alt sein soll. Sogar Homer, der Dichter aus dem alten Griechenland, soll in seinen Heldengeschichten über den Trojanischen Krieg von diesem Spiel berichtet haben.

Nevin Aladağs Mutter hat dieses Fangspiel den Kindern beigebracht. Die Fotografien zeigen die Hände der Mutter der Künstlerin, die dieses Spiel auch in ihrem hohen Alter noch immer mit erstaunlicher Geschicklichkeit spielt. Die visuelle Präsentation der Differenzierung und Diversität durch Wiederholung ist selbst ein liebevoller und sogar hoffnungsvoller Ausdruck der riesigen Möglichkeiten, die jede Alltagssituation enthält.

Interessant an dieser Installation ist auch, egal aus welcher Richtung sie die Banner betrachten, sie sind auf Grund des Prints jeweils Spiegelverkehrt auf der Vorder- oder Rückseite. Die Künstlerin hat bewusst „Hände“ gewählt. Hände sind für den Menschen ein sehr wichtiges Werkzeug, mit denen Produzieren wir, mit denen umarmen wir, mit denen trösten wir usw. Für uns Menschen ist immer alles so selbstverständlich und trotzdem muss man sich gewisse Dinge immer wieder ins Bewusstsein rufen, was wäre wenn….

Die deutsche Künstlerin mit türkischen und kurdischen Wurzeln, die seit ihrem ersten Lebensjahr in Deutschland lebt, hat eine Sensibilität  und verkörpert selbst die Komplexität der kulturellen Identität in einem sich wandelnden Europa. Sie fordert uns als Teilhaber der Zivilgesellschaft auf, nicht nur darüber zu reflektieren, wer wir sind und wo wir herkommen, sondern auch darüber, wer wir hätten sein können und wer wir zukünftig sein sollen und könnten.  Diese fünf kleinen Steine, die mit Geschick und Bedacht zwischen zwei Händen hin- und her geworfen werden, könnten in jedermanns Händen liegen, sobald sie das Spiel gelernt haben. Diese Steine sind auch dazu da, um geteilt und weitergegeben zu werden, so wie Sprache, Gemeinsamkeiten, kulturelle Gesten wie die Menschheit als ständige Kommunion.

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Foto: Christa Linossi

*Information zum Spiel selbst:  Jeder Spieler sammelt fünf kleine Steine, diese werden auf dem Boden ausgebreitet oder in einer bestimmten Figur angeordnet. Während ein Stein in die Höhe geworfen wird, muss eine bestimmte Anzahl von Steinen vom Boden mit der Wurf Hand eingesammelt werden, und dabei muss auch der in die Luft geworfene Stein wieder aufgefangen werden.

http://www.europe-in-motion.com/Sayfa/Funf-Kieselsteine-5-Tas-Spiele-aus-Istanbul-Turkei_120.aspx

Die Ausstellung „A Painter’s Doubt“  läuft vom 25.02.2017 – 23.04.2017