„Ich gehöre nirgends mehr hin!“ Stefan Zweigs „Schachnovelle“ im Salzburg Museum Neue Residenz

Eine Geschichte aus dem Exil

Stefan Zweig 1938 in London /Foto © Stefan Zweig Centre Salzburg

Ausstellung läuft noch bis 28. Mai 2017

Das Salzburg Museum zeigt in Kooperation mit dem Theatermuseum Wien anlässlich des 75. Todestages von Stefan Zweig die Ausstellung „Ich gehöre nirgends mehr hin!“.

Im Zentrum der Ausstellung steht das letzte Werk, das Stefan Zweig fertig stellen konnte: die berühmte „Schachnovelle“, welche Zweig im Winter 1941/42 in Petrópolis, Brasilien (im Exil) schrieb und es war Zweigs letztes Manuskript, das er einen Tag vor seinem Suizid in Petrópolis zum Postamt gebracht hat.

Betritt man den Ausstellungsraum, hat man schon ein sehr bedrückendes Gefühl und ahnt auch gleich, hier geht es nicht mit rechten Dingen zu. An den Wänden sind Haken (eine Art Garderobe) angebracht, wo man schwere Ledermantels hängen sieht, es sind die Ledermantels der Gestapo.

Gleich beim Eingangsbereich der Ausstellung wird noch einmal Stefan Zweigs Bezug zu Salzburg hergestellt:  der Ausschnitt eines Wohnraumes, wo der Teppich bereits aufgerollt ist, die Kartons mit Bildern und Büchern in Kartons verpackt, stehen bereit um abgeholt zu werden. Weiteres sieht man ein großes Foto des Zweig-Hauses am Kapuzinerberg, dazu Zitate aus Briefen, in denen Zweig die antisemitische Atmosphäre in Salzburg beklagt.

Stefan Zweig hatte kurz nach Hitlers Machtergreifung im Frühjahr 1933 seinen Abschied aus Österreich vorbereitet. Nach einer Hausdurchsuchung im Februar 1934 verließ er Salzburg und lebte zuerst sechs Jahre in England und wanderte dann 1940 nach Brasilien aus, wo er sich am 22. Februar 1942 das Leben nahm.

Die „Schachnovelle“ ist die einzige Erzählung Stefan Zweigs, in der er zeitgenössische politische Verhältnisse Österreichs darstellt. Das Wiener Grand-Hotel „Métropole“ war seit März 1938 die „Gestapo-Leitstelle Wien“. In den Szenen, die in diesem, ehemals luxuriösen Wiener Grand-Hotel hat Zweig den Opfern des Faschismus ein Denkmal gesetzt.

Das Hotel „Métropole“ – als Modell – befindet sich im Mittelpunkt des Ausstellungsraumes und deren Geschichte ist ebenso ein Teil der Ausstellung. Einige Dokumente und Film-Ausschnitte beschäftigen sich mit diesem Ort des Schreckens.

In mehreren Vitrinen werden Zeitungsausschnitte wie zB „Der neue Mahnruf“ Zeitschrift für Freiheit, Recht und Demokratie gezeigt. Ebenfalls gezeigt werden Erstausgaben und Dokumente der „Schachnovelle“ sowie Ausschnitte aus dem 1960 entstandenen Film „Schachnovelle“ (mit Curd Jürgens und Mario Adorf). In anderen Vitrinen werden noch Stefan Zweigs Exil-Jahren gewidmet: zB Freundschaft mit Sigmund Freud, seine Zusammenarbeit mit Richard Strauss, sein Engagement für ein geeintes Europa, seine Hilfsbereitschaft für jüdische Flüchtlinge.

Auszug aus einem Brief Stefan Zweig an Romain Rolland *(Romain Rolland war ein französischer Schriftsteller) , 28.Februar 1939 „Mein Freund, Sie und ich, die wir immer für die Besiegten Partei ergriffen haben, welche Niederlage mussten wir in den letzten Monaten, den letzten Jahren mit ansehen – und die größte aller Enttäuschungen war vielleicht die Entwertung des Wortes! Wie ohnmächtig sind wir geworden in dieser Welt der Gewalt, die sich einen Dreck um die Wahrheit, die Moral schert, die schamlos ihre Fäuste zeigt und aller Verträge, aller Versprechungen hohnlacht und spottet!…

Das menschliche Leben zählt nicht mehr, und der Traum von der „Zivilisation“ ist zu Ende. Er hatte schon Recht, der große gute Freud, unserem „Fortschritt“ zu misstrauen und die unerbittliche Macht der bösen Instinkte zu fürchten.

Aber ich bereue unseren Glauben, unseren Optimismus von früher nicht, im Gegenteil, ich versuche immer, meine Seele durch den Glauben zu festigen, dass all diese Alpträume vorübergehen …… Vielleicht kommt doch einmal die Stunde, da unser Glaube nützlich und fruchtbar werden kann und wir den „neuen Morgen“ noch erleben.“ 

 Dieser Briefausschnitt sollte uns zum Nachdenken zwingen. Ein brisantes Thema, den heute stehen wir  wieder vor großen Problemen und die Rechtspopulisten sind fast überall in Europa auf dem Vormarsch.

Erschienen ist auch ein Begleitbuch zu dieser Ausstellung: „Ich gehöre nirgends mehr hin!“ Herausgegeben von Klemens Renoldner und Peter Karlhuber. ISBN 978-3-900088-80-4