Chat-Interview mit der Künstlerin Alexandra Baumgartner 

 Zu einer Begegnung mit der Künstlerin Alexandra Baumgartner kam es im Februar 2018 im Traklhaus Salzburg. Hier läuft derzeit eine Ausstellung „Großer Kunstpreis“ in Zusammenhang mit dem KUNSTPREIS DES LANDES SALZBURG. Dieser Preis wird alle 4 Jahre vergeben. Gezeigt werden in dieser Ausstellung 8 Salzburger Künstler/innen, die für diese Auszeichnung nominiert wurden. Eine Jury wird den Preisträger/die Preisträgerin ermitteln. Die Preisverleihung findet dann am 1. März 2018 in Salzburg statt.

Alexandra Baumgartner zeigt in dieser Ausstellung unter anderem eine Installation mit vernähter Fotografie und einem balancierenden Stuhl, der ebenfalls mit Fäden an die Wand verspannt ist. Dies erweckte meine Neugierde und ich hatte das Bedürfnis, mit der Künstlerin ein Interview zu führen.

 

Alexandra Baumgartner „Introspection“ Foto: © Razvan Popovici

10 Fragen an die Künstlerin:

Linossiartstory:  Wie fanden sie zur Kunst, was stand am Anfang ihrer Berufung zur Künstlerin?

Alexandra Baumgartner: Mir war immer klar, dass ich einen künstlerischen Weg einschlagen werde. Als Schülerin bekam ich ein Stipendium der Sommerakademie für bildende Kunst bei Nancy Spero und Leon Golub, eine erste intensivere Auseinandersetzung mit meinen Arbeiten. Das war eine tolle Erfahrung und bestärkte mich in meinem Wunsch, diesen Weg weiter zu gehen.

Linossiartstory:  Sie sind gebürtige Salzburgerin leben und arbeiten aber abwechselnd in Berlin und Wien?

Alexandra Baumgartner: Ich bin damals zum Studium nach Wien gegangen. Nach meinem Diplom bin ich zuerst nach Leipzig und danach nach Berlin. Seit zehn Jahren pendle ich zwischen Berlin und Wien, wobei ich seit einem Jahr meinen Lebensmittelpunkt wieder mehr nach Wien verlagert habe. Ich finde den Kontrast dieser Städte sehr bereichernd.

Linossiartstory: Warum eigentlich nicht in Salzburg? Oder bietet Salzburg den bildenden Künstlern keine Plattform um sich weiterzuentwickeln?

Alexandra Baumgartner: in Salzburg gab es keine Möglichkeit, freie Kunst zu studieren, also ging ich nach Wien, denn ich wollte Malerei studieren. Danach bin ich nach Berlin; es war mir für meine Arbeit wichtig, um auch mal über den Tellerrand raus zu schauen und zu sehen was andere machen, und sich zu positionieren. Manchmal muss man weg gehen, um zu sich selbst zu finden. Salzburg ist mir sehr wichtig und ich bin oft und gerne hier. Es bedeutet mir viel in meiner Heimatstadt auszustellen.

Linossiartstory: Wie würden sie ihren Stil beschreiben?

Alexandra Baumgartner: Eklektisch.

Linossiartstory: Für die Leser zur Erklärung: Eklektisch = (verfahrend) oder nur Ideen, Stilelemente anderer verwendend, aus bereits Vorhandenem auswählend, aus Verschiedenem ausgewählt

Linossiartstory: Ihre Bilder und Skulpturen haben sehr viel Phantasie, woraus schöpfen sie ihre Ideen und was inspiriert sie?

Alexandra Baumgartner: Ein Großteil meiner Arbeit besteht aus Suchen und Finden. ich arbeite viel mit gefundenem Material (Fotografien, Objekte) dann sehe ich etwas, das mich nicht mehr loslässt, und ich möchte dieses „Etwas“ herausarbeiten. Die besten Ideen habe ich meist wenn ich nicht daran festhalte und gar nicht damit rechne, z.b. während einer schlaflosen Nacht. Inspirierend finde ich alle Orte, an denen man etwas finden kann, wie diverse Internetauktionsseiten, Flohmärkte, aber sogar auch Baumärkte! Vor allem ist auch der Austausch und Gespräche mit Kollegen sehr wichtig und inspirierend.

Linossiartstory:  In manchen Portraits plazieren sie einen schwarzen Kreis. Was bedeutet das für sie? John Baldessari (amerikanischer Künstler aus California),  arbeitet in ähnlicher Stilrichtung und sein gesamtes Schaffen ist vom unausgesetzten Bestreben geprägt.

Alexandra Baumgartner: Schwarze Übermalungen/Schwarze Flächen die etwas auslöschen, sieht man oft in meinen Arbeiten. So wie in  Black Circle und Kosmos, deren Ausgangsmaterial gefundene Familienportraits waren und deren Gesichter ich mit schwarzen Kreisflächen übermalte. Dadurch verschwinden wichtige Bildinformationen. Die Grundinformationen eines Gesichts wie Mimik und Gefühlsregung werden gelöscht, sodass man als Betrachter nichts mehr ablesen kann und auf sich selbst zurückgeworfen wird. Die Kreisform kommt auch in meinen installativen Arbeiten immer wieder vor. Ich denke, der geschlossene Kreis ist eine Form, der man sich nicht entziehen kann. Ein Kreis kann entweder alles vereinen oder eben ausschließen, er kann sowohl positiv als Zugehörigkeit/Einheit, aber auch negativ als Ausschluss gesehen werden. Man ist entweder im Kreis, oder außerhalb

Alexandra Baumgartner „Mask, 2017“ Collage Foto: © the Artist

Linossiartstory:  Welches Material bevorzugen sie am liebsten?

Alexandra Baumgartner: Gebrauchtes Material, Objekte des täglichen Lebens, gefundene Fotografien.

Linossiartstory:  Gibt es für sie das „perfekte Bild“?

Alexandra Baumgartner: Ich mag keine Perfektion. Gerade die Fehlstellen machen ein Bild interessant und verstörend. Mich interessiert das Unfertige, Unausgesprochene, damit es eine Reibefläche gibt und noch Raum bleibt, um sich seine eigenen Gedanken dazu zu machen und sich Fragen zu stellen. Ich würde nie von einem „perfekten Bild“ sprechen, das ist der falsche Begriff. Es gibt vollendete Werke, großartige Werke, die einen immer wieder aufs Neue bewegen und zeitlos bleiben. Perfektion klingt für mich nach etwas Abgeschlossenem, einer allgemeinen Wertigkeit, aber wie will man Kunst messen? Kunst ist viel zu komplex, um auf den Begriff „Perfektion“ reduziert zu werden. Es bleibt ein Rätsel. Es gibt ja auch nicht den perfekten Menschen.

Linossiartstory:  Wieviel Scheitern braucht das Gelingen und woran arbeiten sie gerade?

Alexandra Baumgartner: Momentan bereite ich mich auf die nächsten Ausstellungen in diesem Jahr vor, ich plane eine Installation und bin am Überlegen und Skizzieren. Das Scheitern ist mein ständiger Begleiter, ohne Scheitern gibt es keine Kunst. Man kann nicht permanent hochwertige Arbeiten produzieren, sonst wäre man ja eine Maschine. Das ganze Leben besteht gewissermaßen aus Scheitern. Man braucht Mut zum Scheitern, aber meist entstehen daraus die besten Arbeiten. Am Anfang stehen immer die Leere und der Zweifel, wenn man dann trotzdem dran bleibt und weitermacht, entsteht etwas daraus, dass vielleicht Kunst sein könnte. Und wenn nicht, dann geht die Welt auch nicht unter.

Linossiartstory:  Mit welchen drei Worten würden sie sich beschreiben?

Alexandra Baumgartner: Das überlasse ich lieber Anderen!

 Vielen Dank für das nette Gespräch und alles Gute für die Zukunft!

 http://www.alexandrabaumgartner.com/