„LEBENSMENSCHEN“ ALEXEJ VON JAWLENSKY UND MARIANNE VON WEREFKIN

Unlängst besuchte ich eine sehr interessante Ausstellung. Diese läuft zurzeit in der STÄDTISCHEN GALERIE IM LENBACHHAUS UND KUNSTBAU MÜNCHEN

ALEXEJ VON JAWLENSKY
Landschaft bei Murnau (Gelbe Abendwolken), um 1910, Öl auf Karton, 33,2 × 41,2 cm,
Copyrights  Art Foundation, Schaan, Liechtenstein Foto: Lenbachhaus

Worum geht es hier bei dieser Ausstellung?

In dieser Ausstellung wird das Künstlerpaar Alexej von Jawlensky (1864-1941) und Marianne von Werefkin (1860-1938) erstmals Seite an Seite in einer gemeinsamen Ausstellung präsentiert. Beide Künstler gehören zu den führenden Figuren des Expressionismus, lebten 30 Jahre in einer engen wie komplizierten Beziehung.  In der Biografie und des künstlerischen Schaffens der beiden Protagonisten Jawlensky und Werefkin entstand somit ein Dialog, dessen Intensität die Erfahrung ihrer bislang getrennt gesehenen Werke steigert und viele neue Einblicke öffnet. Beleuchtet in dieser Ausstellung werden auch die Anfänge in Russland, die produktiven und glücklichen Schaffensjahre in München und Murnau bis hin zum Schweizer Exil und zu ihrer Trennung in Ascona.

Die Ausstellung präsentiert 190 Werke die sich zu einem überwältigenden Panorama von Eigenständigkeit und Ergänzung, dem gemeinsamen Mut zur Farbe und unterschiedlichen Ausdrucksformen zusammenschließt.

MARIANNE VON WEREFKIN
Die Landstraße, 1907, Tempera auf Papier auf Karton, 69 × 105 cm, Fondazione Marianne Werefkin, Copyrights  Comunale d’Arte Moderna, Ascona Foto: Lenbachhaus

Jawlensky Werke sind von einem ausdrucksstarken Farbenrausch geprägt, während Werefkins Arbeiten eher mit gedämpften Farben arbeitete, wo hier die russische schwermütige Seele zum Vorschein kommt.

ALEXEJ VON JAWLENSKY
Murnauer Landschaft, 1909, Öl auf Pappe, 50,4 cm x 54,5 cm,
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Copyrights Foto: Lenbachhaus

Eine Arbeit, die sie gemeinsam schufen, unabhängig voneinander, war das Gemälde (Tänzers Sacharoff / Portrait of the Dancer Alexander Sacharoff, 1909)

ALEXEJ VON JAWLENSKY
Bildnis des Tänzers Sacharoff, 1909, Öl auf Karton, 69,5 x 66,5 cm,
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Copyrights Foto: Lenbachhaus

Jawlensky malte den Tänzer ausdruckstark, in der Zeichnung und in der Farbgebung, während Werefkin den Tänzer eher zart in der Gestalt und weiblich verkörperte und von der Farbgebung Blautöne vordergründig waren. Eine und dieselbe Person, jedoch unterschiedlich gesehen von zwei Künstlern.

MARIANNE VON WEREFKIN
Der Tänzer Alexander Sacharoff, 1909, Tempera auf Papier auf Karton, 73,5 × 55 cm, Fondazione Marianne Werefkin, Copyrights Comunale d’Arte ­Moderna, Ascona Foto: Lenbachhaus

Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin sind als wegweisendes Künstlerpaar in die Kunstgeschichte und der Avantgarde eingegangen. 1909 gründeten sie die Neue Künstlervereinigung München (NKM) wo nach zwei Jahren der Blaue Reiter hervorgegangen ist.

Sie waren nicht nur Vordenker und malerischer Impulsgeber, sondern haben durch diese Vereinigung auch Kunstgeschichte geschrieben. Sie leisteten auch einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Moderne am Beginn des 20. Jahrhunderts.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs am 1. August 1914 emigrierten Werefkin, Jawlensky, Helene Nesnakomoff und ihr Sohn Andreas in großer Eile in die Schweiz. Im Frühjahr 1918 siedelte das Paar in den Kanton Tessin nach Ascona am Lago Maggiore um.

MARIANNE VON WEREFKIN
Liebeswirbel, um 1917, Tempera auf Papier auf Karton, 45,5 × 60 cm, Erben Diego und Carmen Hagmann, Zürich, Copyrights Dauerleihgabe im Museo Comunale d’Arte Moderna, Ascona Foto: Lenbachhaus

Werefkin blieb nach ihrer Trennung von Jawlensky 1921 in Ascona und lebte bis zu ihrem Tod als staatenlose russische Exilantin jedoch vollständig in die Gemeinschaft von Ascona integriert. Jawlensky reiste 1921 von Ascona nach Wiesbaden, wo eine retrospektive Ausstellung seiner Werke einen großen Erfolg feierte. Er entschloss sich, in Wiesbaden zu bleiben, holte später seine Familie nach und heiratete Helene Nesnakomoff. {Mit der Haushälterin (Nesnakomoff) von Werefkin hatte er einen Sohn.}

Die Ausstellung läuft noch bis 16. Februar 2020 in der STÄDTISCHEN GALERIE IM LENBACHHAUS UND KUNSTBAU MÜNCHEN

https://www.lenbachhaus.de/