BILDKULTUR AMERIKAS…

Ausstellungsansicht_Andy Warhol bis Cindy
Sherman_ Blick in die Ausstellung „Andy Warhol bis Cindy Sherman. Amerikanische Kunst aus der Albertina“, 19. Nov. 2019 bis 29. März 2020, Schlossmuseum Linz
© Oö. Landesmuseum, A. Bruckböck

Im Schloss Museum in Linz läuft zur Zeit die Ausstellung ANDY WARHOL BIS CINDY SHERMAN – AMERIKANISCHE KUNST AUS DER ALBERTINA bis 29. März 2020

Betritt man den Ausstellungsraum, drängt sich bereits ein riesengroßer Schriftzug auf der Ausstellungswand auf. WARHOL BIS SHERMAN amerikanische Kunst aus der Albertina

Einblick von der Pop_Art  bis zur Post-Moderne und so bestimmen die Bilder von Amerika die Bilder der Unterhaltungsindustrie: vom Film und Fernsehen bis zur Werbung und Zeitung. In der Ausstellung werden über 100 Werke der amerikanischen Kunst von 1960 bis heute gezeigt. Es sind Arbeiten von den Künstlern Andy Warhol und Robert Rauschenberg über Alex Katz bis Robert Longo und Cindy Sherman. Sie begleiteten und kommentierten diesen Wandel der Gesellschaft mit radikal neuen ästhetischen Strategien und künstlerischen Techniken.

Eine Wand zeigt Andy Warhols erste politische Arbeiten von MAO-TSE-TUNG, 1972 Siebdruck. Warhol schuf die 10 Porträts der Mao-Porträtserie, um nicht nur seine politischen Ansichten offen darzulegen, sondern auch, um die kontrollierte Propagandamaschine des chinesischen Kommunismus zu kommentieren.

Andy Warhol
Mao-tse-Tung, 1972 Siebdruck Albertina, Wien – Dauerleihgabe Österreichische Ludwig-Stiftung für Kunst und Wissenschaft © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Licensed by Bildrecht Wien, 2019

Ab Mitte der 1950er Jahre entstand die Pop Art als bewusste Abkehr von der Malerei des Abstrakten Expressionismus. Alltägliche bisher nicht kunstwürdig geltende Gegenstände wie Suppendosen, Werkzeuge oder Automobile dominieren die Bildwelt der Pop Art.

Andy Warhols Themen konzentrierten sich oft auf Dinge und Menschen, die in der Öffentlichkeit berühmt waren. Warhol hatte als Schaufensterdekorateur begonnen und galt als einer der besten Grafiker auf der New Yorker Madison Avenue, damals eine Hochburg der Werbeagenturen. Seine Illustrationen erschienen in Modezeitschriften wie Harper’s Bazaar. Warhol wollte jedoch in der Welt unter der „echten Künstler“ Fuß fassen, welches ihm auch gelang. Er ging von den Illustrationen zu Ölgemälden über und so ergab sich ganz natürlich, dass er Gegenstände auswählte, die ihm am vertrautesten waren. Konsumgüter wie Coca-Cola und die Campbell’s Suppe. Diese Arbeiten befinden sich ebenfalls in der Ausstellung.

Ein weiterer interessanter Künstler wird in dieser Ausstellung gezeigt. Nämlich: Alex Katz, er ist ein amerikanischer figurativer Künstler, der für seine großen Gemälde bekannt ist, deren kühne Schlichtheit und gesteigerte Farben heute als Vorläufer der Pop-Art gelten. In dieser Ausstellung ist das Werk Anne, 1990 zu sehen, eine Dame in Schwarz gekleidet, wo ein schmaler Strich in Rot bei dem schwarzen Mantel hervorblitzt, unter der Schwarzen Pelzkappe drängt sich ein selbstbewusstes Gesicht in den Vordergrund.

Alex Katz, Anne 1990 Foto: Christa Linossi (von der Ausstellung)
Alex Katz Blue Umbrella, 1979–80 Lithographie ALBERTINA, Wien © Bildrecht, Wien, 2019

Ebenso zu sehen ist ein weiteres Werk von Alex Katz Blue Umbrella . Ein ausdrucksstarkes Bild: der Regenschirm im inneren Blau und die Regentropfen die auch kurz das Gesicht, so scheint es, treffen. Der Ausdruck der Dame, eher nachdenklich und der Gesichtsausdruck lässt auch Trauigkeit erkennen. Sei es wegen des Regens oder war ein Abschied die Ursache?

Chuck Close
Self-Portait, 2009 Digitaldruck von Daguerreotypievorlage Albertina, Wien © Chuck Close

Imposant ist auch das Self-Portrait von Chuck Close. Chuck Close ist ein US-amerikanischer Künstler und einer der bekanntesten Fotorealisten in den USA. Für seine großformatigen Porträts hatte er internationale Anerkennung gefunden. Er arbeitet mit großen Polaroid-Fotografien und half, die Kunst des Porträts wiederzubeleben, als abstrakte Kunst der letzte Schrei war. Seine frühen Arbeiten sind in einem photorealistischen Stil in Schwarz und Weiß gemalt. Close geht beim Malen nicht von der Realität aus, er orientiert sich an der indirekten Realität des Fotos und mit Hilfe eines Rasters zerlegt er jedes Foto und überträgt auf diese Weise auf die Leinwand. Ein Künstler von besonderer Begabung trotz seiner Legasthenie und Prosopagnosie (Unfähigkeit, sich an Gesichter zu erinnern), was auch seinen Stil maßgeblich beeinflusst hat. 1988 erlitt er dazu noch einen Wirbelsäulenschlag, der ihn vom Nacken abwärts lähmte, angewiesen auf einen Rollstuhl, war er fest entschlossen, trotz der Einschränkungen seiner Behinderung mit dem Malen fortzufahren.

Ebenso vertreten in der Ausstellung ist der Künstler Robert Longo (geboren 1953 in Brooklyn und wuchs in Long Island, New York, auf) Er ist für seine monumentalen fotorealistischen Bilder bekannt. Kraftvolle, dynamische Kohlezeichnungen, die einen durch die virtuose Technik und die Bild- Mächtigkeit des Motivs in Ihren Bann ziehen. Die Plastizität der Dinge und die Tiefe des Raumes werden durch die dramatischen Licht- und Schatteneffekte der Kohlezeichnungen betont.

Robert Longo „Jonathan“ 1988 Lithografie / Foto: Christa Linossi

Die Ausstellung der Albertina im Schlossmuseum Linz verdeutlicht, wie sehr unsere Vorstellungen von Wahrheit und Wirklichkeit, von Tatsachen und Fake News, von der Bildkultur Amerikas und dem konsumorientierten „American Way of Life“ nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmt wurden.

Die aus den Sammlungen der Albertina ausgewählten fünfzehn Künstler/innen – von Andy Warhol, Robert Rauschenberg, Alex Katz und Roy Lichtenstein bis zu Eric Fischl, Robert Longo, Cindy Sherman und David Salle – haben gemeinsam, dass sie die Wirklichkeit nicht mehr direkt studieren und wiedergeben, sondern die Realität nur vermittelt über bereits existierende Bilder wahrnehmen.

Die Pop-Art Szene bezog ihre Bilder aus den Magazinen und der Werbung und brauchte nicht unmittelbar vor dem Motiv zu malen. Auch Rauschenberg collagierte nur, was er bereits in der Bilderflut der Massenmedien vorfand. Der Begriff der unmittelbaren Erfahrung hat sich im Zeitalter der Medialisierung aufgelöst.

Kunst zeigt nicht nur die Wirklichkeit sondern will auch die Wirklichkeit verändern!

Zum erstenmal in der Geschichte des Oberösterreichischen Landesmuseum, kommt es im Rahmen einer Großausstellung zu einer Kooperation mit der Albertina Wien. Die Ausstellung „Andy Warhol bis Cindy Sherman. Amerikanische Kunst aus der Albertina“ setzt das breit angelegte Themenspektrum der Sonderausstellungen im Schlossmuseum Linz fort.

Prädikat: die Ausstellung ist sehenswert